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Diskussion zum Thema: "Pflanzenverwendung", "Kompetenz von Gartenarchitekten" und "Selbstausführung"


Ich will Ihnen nicht vorenthalten, dass meine homepage auch eine sehr kritische Reaktion ausgelöst hat.
Hier Auszüge aus einer e-mail, die ich 2007 erhielt:

"... Ihre Projekte scheinen recht interessant zu sein. Nur hat es mich ehrlich gesagt etwas geärgert, dass Sie sich so negativ über die Berufskollegen äussern, und die Kompetenz der (...) Landschaftsarchitekten derart anzweifeln bzw. schlecht reden.(...) Zudem unterstützen Sie die weitläufige Meinung, dass die Erstellung der Aussenanlagen keiner Fachleute bedarf, sondern dass man das jederzeit alleine meistern kann. Das ist etwas, was mich wirklich ärgert, denn es greift die Berufssparte der Landschaftsgärtner an. Aber glücklicher Weise sieht man ja am Ende doch meist allzu deutlich den Unterschied zwischen einer professionellen und einer leienhaften Ausführung.
Vielleicht überdenken Sie die Inhalte Ihrer Homepage noch einmal. Ich finde, das wäre angebracht.
Mit freundlichen Grüßen P.F. (Näheres auf Anfrage) Landschaftsarchitektin"


Hier ein Auszug aus meiner Antwort, auf die übrigens keinerlei Reaktion mehr erfolgte:

"... Es ist und war nicht meine Absicht, zu verallgemeinern, "schlecht zu reden" oder manchen Berufskollegen den guten Willen abzusprechen. ... So habe ich in meiner homepage .... ausdrücklich und erkenntlicherweise lediglich meine eigenen Erfahrungen wiedergegeben. ( ... )
Ich werde im Winter(*) die homepage übrigens um ein Beispiel erweitern, welches die angefangene Arbeit eines "Fachmannes" zeigt, und die anschließende, echte Qualitätsarbeit des Bauherren - unter fachmännischer Anleitung - danebenstellt.
Es ist übrigens in der Tat eine Frage der Planung, ob und inwieweit Fachfirmen erforderlich sind (exakte Bagger-Vorarbeiten z.B.), und wie und inwieweit "Laien" zu fachlich einwandfreier Arbeit anleitbar sind. Ein solches Arbeiten erfordert zunächst eine gewisse praktische Erfahrung des Planers/Anleitenden - aber vor allem dessen Bereitschaft, sich für die Gärten regelrecht zerreißen zu lassen: für Viele gleichzeitig und immer da zu sein - immer mit dem jeweiligen Plan im Kopf. Selbstverständlich wissend, dass man so nicht reich wird. Aber zufrieden. ..."

(*) ... es handelt sich um "Familiengarten - klar strukturiert"


Hierzu noch ein interessanter Auszug aus dem editorial der Fachzeitschrift "Gartenpraxis" 9/2006:

"Gartenarchitekten, so wird immer wieder kritisiert, verfügen über eher bescheidene Pflanzenkenntnisse. Sie lernen während ihres Studiums eine kleine Anzahl an Arten und Sorten kennen, und aus diesem Repertoire bedienen sie sich bis zum Ende ihrer beruflichen Karriere. Dieses pauschale Urteil ist natürlich falsch, denn es gibt einige hervorragende Experten, die differenzierte und hoch artifizielle Pflanzpläne erstellen können. Aber es existiert daneben eine stattliche Zahl an Planern, die so, wie beschrieben, verfährt. Wie die Ergebnisse ausfallen, kann man sich vorstellen. Die Chancen, die bestgeeigneten Pflanzen für spezifische Standortgegebenheiten zu finden, werden um so kleiner, je enger das durch die eigenen Kenntnisse begrenzte Sortiment ist. Über künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten braucht man gar nicht zu reden. ... "
Karlheinz Rücker, verantwortlicher Redakteur

Prof. Dr. Seyfang (Lehrgebiete Freilandpflanzenkunde und Pflanzenverwendung) wiederholte obiges Zitat in seinem Beitrag in der Festschrift 'Gartenwissen auf hohem Niveau', Verlag Ulmer,2014, und ergänzte es folgendermassen:

" ... dieses pauschale Urteil ist natürlich falsch, denn es gibt einige hervorragende Experten, aber es existieren daneben eine stattliche Zahl von Planern, die so wie beschrieben verfährt. ... Der Erwerb von Pflanzenkenntnissen stellt tatsächlich eine unendliche Aufgabe dar, für die auch ein ganzes Leben zu kurz ist. Der erreichte Wissensstand kann und muss immer wieder ergänzt und erweitert werden. ... Das gehr nur, wenn die Begeisterung für die Pflanze die Triebfeder darstellt."

Er bedauert in seinem Beitrag die zunehmende Geringschätzung von Natur und Pflanzen, und dass heutzutage sich explosionsartig ausbreitende Pflanzensortimente mit einer kontinuierlich abnehmenden Pflanzenkenntnis der Verwender einhergehen.

Prof. Dr. Jürgen Bouillon (Sachverständiger mit Schwerpunkt Pflanzplanung) hat als Mitglied im Arbeitskreis Pflanzenverwendung standardisierte Staudenmischungen wie den bekannten 'Silbersommer' entwickelt. Diese wurden zum Erfolgsmodell, weil mit diesen typisierten Mischpflanzungen wenigstens standortgerechte (und damit pflegeleichte), ökologisch ausbalancierte Staudenpflanzungen entstehen. Zwr bleibt der ästhetische Eindruck fragwürdig, und eine gewissen Monotonie sind zu befürchten - aber eine jeweils individuelle Pflanzplanung entsprechend dem System der Lebensbereiche würde "ein großes ökologisches, botanisches und gärtnerisches Wissen voraussetzen - ein Wissen, das leider nur wenige besitzen."

Noch deutlicher wird Prof. Dr. Cassian Schmidt, Lehrgebiet Pflanzenverwendungund Leitung des Sichtungsgartens Herrmannshof, in der o.g. Festschrift:

"... offensichtlich ist der differenzierte Umgang mit Pflanzen derart komplex, dass sich derzeit nur versierte Spezialisten an deren Verwendung herantrauen."

Weiter führt er aus:

"Vor dem Hintergrund der über Jahre vernachlässigten Hochschulausbildung im Fach Pflanzenverwendung stelt sich die Frage, ob die fehlende Kompetenz beim Umgang mit der Pflanze überhaupt in absehbarer Zeit kompensiert werden kann. ... Da kommen die von versierten Pflanzenexperten konzipierten, modularartigen Staudenmischungen gerade recht, die dem unerfahrenen Planer zermürbende Gedanken um die richtige Pflanzenkombination ersparen." ... na ja. Aber es geht auch anders, wie 'meine' Gärten zeigen.

Das 'Herumhirnen' an den jeweils richtigen Pflanzenkombinationen (sowohl für die Pflanzen als auch für ihre Betrachter) ist sehr zeitaufwändig - ich gehe allerdings davon aus, dass neben der häufig eingeschränkten Kompetenz, mangelnder Kreativität und bescheidenem Vorstellungsvermögen vor allem das liebe Geld der Hauptgrund ist, warum 'anständige' Pflanz-Detailpläne so selten geworden sind - gepflanzt ist jedenfalls deutlich schneller als geplant!