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Das Klostergärtla in Frauenaurach

Auszug aus dem Erlanger Tagblatt vom 23. Juni 200 (gekürzt):

"Klein aber fein und liebevoll gemacht, präsentiert sich seit einigen Tagen ein neu angelegtes "Klostergärtla" in Frauenaurach. "

Plan "Entstanden ist es dank der Initiative des "Fördervereins Klosterkirche e. V. .

Das unmittelbar hinter der Kirche gelegene kleine Schmuckstück wurde jetzt offiziell eröffnet. Konzipiert und gestaltet hat das 'Gärtla' Brigitte Müller, von der 'moyna-Landschaftsplanung' in Forchheim."

Die Wege im Garten - sehr ansprechend mit kleinen Pflastersteinen gesäumt - zeigen in der Mitte der Anlage ein Spitzoval. Es symbolisiert die Gegenwart des Auges Gottes - auch gerade inmitten seiner Schöpfung. Die seitlichen Abzweigungen versinnbildlichen den oft verschlungenen Lebensweg des Menschen. Rund 60 verschiedene Gewächse und Kräuter (insgesamt 600 Exemplare), jedes einzelne mit deutschen und lateinischen Namen auf gut lesbaren, liebevoll von Hand beschrifteten Tafeln, sind nun von den Besuchern zu erkunden."

ArbeitengepflanztWeg

Die Vorarbeiten wurden sämtlich von ehrenamtlichen Helfern erledigt; die Pflasterarbeiten unter Regie von moyna landschaftsplanung

Das Klostergärtla nach der Pflanzung, durchgeführt von moyna landschaftsplanung

Die ersten Jahre zeigte liebevolle Pflege und Ausschmückung durch Ehrenamtliche ihre Wirkung.

Inzwischen hat aber das Engagement in (für mich) frustrierender Weise nachgelassen ...

Zeitung Frauenaurach hat jetzt wieder einen Klostergarten.
Zu Hintergrund und Konzeption:

(Auszug aus meiner Eröffnungsrede)

Eigentlich wollte ich jetzt erzählen über die Geschichte von Klostergärten.

Von den Mönchen, die unserem Raum die ersten Gärten angelegt haben. Die das ganze Wissen der alten Hochkulturen gesammelt und bewahrt haben - und auch angewendet.
Von Karl dem Großen, der um das Jahr 800 den Anbau ganz bestimmter Heilpflanzen sogar vorgeschrieben hat -per Verordnung: Den Capitulare de Villis.
Und davon, dass wir heute - wegen dieser Capitulare de Villis - recht genau wissen, was im Mittelalter in jedem Klostergarten gewachsen ist.

Aber das würde alles viel zu weit führen ... und viel zu lange dauern. Dehalb mach ich´s kurz.

Jedenfalls - die Idee, aus dem verwilderten Stück Boden hinter der Kirche einen "hortulus" - also einen kleinen Kloster-Apothekengarten zu machen, die liegt jetzt schon ein paar Jahre zurück.
Aber weil - schon allein aus Platzgründen - so eine richtige "open-air-Bibliothek" der Pflanzenheilkunde nicht machbar war, musste eine andere Idee her.
Eine Idee, die diesem bedeutungsvollen Plätzchen hinter der Apsis der Kirche gerecht wird.
Eine Idee, die sozusagen eine Brücke vom Mittelalter in unsere heutige Zeit schlägt, ... die Altes, Altbewährtes, Altbekanntes aufnimmt, aber die trotzdem irgendwie ganz neu ist. Im Mittelalter hatte jedenfalls ALLES auch einen symbolischen Wert. Allein wegen der Schönheit blühte da keine einzige Blume im Garten - alles hatte Sinn und Bedeutung. Der Symbolwert hatte sich zumeist aus alten heidnischen Vorstellungen entwickelt und war danach - wie so manch anderes Brauchtum - auf das Christentum übertragen worden. Die Pfingstrose zum Beispiel, die Paeonie, hat ihren Namen von dem griechischen Gott Paion, dem Arzt der Götter. Sie war der Erdgöttin Hekate geweiht und galt als magische Pflanze. Im Mittelalter stand sie dann, wie auch Lilien und Rosen, für die Schönheit und Reinheit der Mutter Gottes.

In der Beschäftigung mit den altehrwürdigen Heilpflanzen wurde mir bewusst, das man auch Pflanzen nicht gerecht wird, wenn man nur ihre statistischen Werte kennt ..wie Wuchsform, Boden- und Lichtansprüche, Inhaltsstoffe und so. Das ist irgendwie so ähnlich, als wüsste man von seinem Nachbarn nur Alter, Größe, Augenfarbe ...aber KENNEN tut man ihn nicht wirklich.
Die Pflanzen hier haben eine oft jahrtausende alte Geschichte, eng verwoben natürlich mit der Geschichte der Menschen in den jeweiligen Zeiten. Sagen und Legenden ranken sich um die einzelnen Kräuter, altes Wissen, das inzwischen fast verloren gegangen ist - es hat halt keinen materiellen Wert.

Aber genau DAS alte Wissen wollte ich hier würdigen - und eine Gesamtkonzeption finden, die diesen immateriellen Werten gerecht wird. Ich denke, der Symbolgehalt dieses Gärtchens ist offensichtlich und bedarf keiner großen Erläuterung: Zentral - die Rundung der Apsis aufnehmend - das "Auge" - immerwährend, alles sehend. Die Wege - als "Lebenswege" gerade NICHT gerade, und teilweise ganz bewusst etwas "steinig" - führen an den jeweiligen "Stationen" mit den ihrerseits wieder symbolträchtigen Pflanzen vorbei.
Der Platz hier soll ein Ort des Verweilens, der Ruhe - gewissermaßen auch ein Ort der Andacht sein.
Hierzu noch ein Zitat: Kirchenvater Ambrosius, so vor 1600 Jahren Bischof in Mailand, hat gesagt:
"Alles, was der Erde entsprießt, hat seine besondere Zweckbestimmung und trägt nach Kräften bei zur Vollendung der Gesamtschöpfung. Nichts ist unnütz, was der Erde entsprießt. Was Dir nutzlos dünkt, nützt anderen - ja, nützt dir häufig selbst bei anderweitigem Gebrauch."

Und jetzt schließe ich mit noch einem Zitat. Diesmal von Paracelsus, dem großen Heilkundigen des 16. Jh, eigentlich hieß er ja Theophrastus Bombastus von Hohenheim. Dieses kurze Zitat paßt genauso gut auf die Pflanzen hier - wie es für ganz vieles Andere in unsere heutigen Welt hochaktuell ist:
Alle Ding sind nit ohn Gift - allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.